Katja Kleiber's Companyworld
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KK, im September 2006
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Abmahnung
Ebert entschloss sich zur Flucht nach vorne. "Ich habe diese Zeitschrift aus dienstlichen Gründe studiert." Der Personalchef und Happ-Huber starrten ihn entsetzt an. Happ-Huber lief langsam rot an. Ebert beobachtete, wie sich erst ihr Kinn, dann Wangen und Nase, schließlich auch die Stirn röteten. Der Personalchef fasste sich als erster. "Bitte erläutern Sie das genauer." Ebert faselte daher, was ihm gerade einfiel. "Ich wollte das neue Vorschlagswesen für Optimierungen und ständige Qalitätsoptimierung nutzen und dem Marketing vorschlagen, eine Anzeige für die Company in eine zielgruppenrelevante Publikation zu setzen. Deshalb habe ich die in Frage kommende Publikation ausführlich studiert." Der Personaler schien sich zu entspannen. Happ-Huber hatte sich gefasst und kreischte: "Ebert, das ist doch eine dumme Ausrede! Sie haben sich an den Pornos ergötzt! Während der Arbeitszeit!" "Nun", wagte der Personaler einzuwerfen, doch Happ-Huber unterbrach ihn. "Ich fordere eine Abmahung!" Ebert beschloss, es sei das beste, nichts zu sagen. In der Tat ergriff der Personaler das Wort: "Frau Happ-Huber, Ihre Bedenken in Ehren, aber wir werden es nur schwer nachweisen können, mit welcher Motivation Herr Ebert diese Zeitschrift studiert hat." Happ-Huber schnaubte. Ebert war froh, dass sie nicht in seinem Büro herumgeschnüffelt hatte. Womöglich hätte sie in Standordner "P" die übrigen Playboys des vergangenen Jahrgangs entdeckt. "Eine Abmahnung wegen Verstosses gegen den Code of Conduct ist ja wohl das mindeste!" Happ-Huber schlug auf den Playboy ein. Ebert schwieg weiter. Er betrachtete den Schmiß am Kinn des Personalers und überlegte, ob der wohl einer schlagenden Burschenschaft angehört und mit dem Säbel gefochten hatte oder ob die Narbe von einem Fahrradunfall in der Kindheit stammte.
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Kapitel drei
Ebert wird zu seiner Überraschung zum Nachfolger von Geizmeier in der Funktion des Controllers ernannt. Knol hat einen depressiven Zusammenbruch. Der Kommissar ernennt Ebert und Knoll in getrennten Gesprächen zu seinen Informanten, worauf beide eingehen, ohne wechselseitig von diesem Abkommen zu wissen.
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Neuer Ärger
Ebert knibbelte an seinem Ohrläppchen, glitt aber immer wieder ab, weil seine Finger schon wieder verschwitzt waren. Vor ihm breitete sich die endlose Fläche des Schreibtischs vom Personalchef aus. Hinter dem Tisch saßen der personalchef, ein hagerer Mann mit Schmiß, und die Frauenbeauftragte Gerlinde Happ-Huber. Beide beugten sich über den Playboy, den Happ-Huber Ebert entrissen hatte. Das Heft sah inzwischen verschlissen aus, die Seiten hatten Eselsohren. Happ-Huber musste das inkriminierende Heft vielen Leuten herumgezeigt haben. Oder hatte sie es in ihrem Zorn selbst so häufig durchgeblättert? Der Personalchef räusperte sich. "Herr Ebert, Sie wissen, warum wir Sie hierher gebeten haben. Sie haben diese, äh, Zeitschrift, im Büro gelesen." Ebert schwieg. Er zupfte an sienem Ohrläppchen und starrte den Personalchef an. Bei seiner Einstellung vor acht Jahren hatte ein anderer Mann diesen Posten innegehabt. Den Personalchef, der ihm jetzt gegenüber saß, hatte er noch nie gesehen. Er erinnerte Ebert an einen bekannten Automobilmanager, der auhc ein so hageres, haarloses Gesicht mit Adlernase und strengen Augen hatte. Happ-Huber patschte mit ihrer sorgfältig manikürten Hand auf das Hochglanzheft. "Herr Ebert, es verstößt gegen den Code of Conduct der Company, pornographisches Material einzuschleppen." Der Personalchef guckte etwas leidend, aber er nickte bekräftigend. Happ-Huber war gerade erst richtig in Fahrt gekommen. Sie hier auf die Zeitschrift ein, als sei diese Schuld an allem Elend der Welt. "Es verstößt außerdem gegen die Richtlinien zum Gender Mainstreaming." Der Personalchef zuckte bei dem Wort leicht zusammen. Trotzdem sagte er: "Herr Ebert, das sollte in der Company nicht vorkommen." Ebert bildete sich ein, der Personalchef habe ihm verständnisvoll zugezwinckert, als Happ-Huber gerade nicht darauf achtete. Das gab ihm etwas Mut. Er straffte sich. Die schwitzigen Hände wischte er verstohlen an der Polsterung des Stuhls trocken. "Herr Ebert, was haben Sie zu Ihrer Entschuldigung vorzubringen?" Der Personalchef wollte das Verfahren offenbar beschleunigen. Ebert lag eine Antwort auf der Zunge, aber er war sich nicht sicher, ob er mit einem forschen Vorgehen seine Lage nicht verschlimmern würde. "Ja?" Der Personaler guckte ihn fragend an. Happ-Huber starrte Ebert streng ins Gesicht.
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Viele Fragen
Knoll starrte auf die leere Klopapierrolle in seiner Hand. Er befühlte die rissige Pappe. Langsam wurde ihm kalt. Er konnte nicht länger hier rumhocken, schon hatten mehrere Leute an der Klotür gerüttelt. Er schmiß die leere Papprolle in den Mülleimer, verließ die Kabine und trat ans Waschbecken. Im Spiegel stierte ihn ein Mann mit rot geweinten Augen und tiefen Wangenfalten an. Knoll drehte das kalte Wasser auf und wusch sich gründlich das gesicht. Vieliehct war er wirklich eine Null und Ebert der erfolgreiche Senkrechtstarter, aber das sollte ihm niemand ansehen. Nachdem er sich einigermaßen wieder restauriert hatte, verließ Knoll die Toilette und strebte über den Gang zu seinem Büro. Ein kleiner Mann in zerknittertem Mantel kam ihm entgegen. Knoll brummte inen Gruß und wollte sich an der Gestalt vorbeidrücken, doch der Mann sprach ihn an. "Herr Knoll, wie gut, dass ich Sie noch treffe. Bitte, ich habe noch ein paar Fragen." Jetzt erst erkannte Knoll den Kommissar. Das hatte gerade noch gefehlt. "Ja, bitte? Was gibt's?" "Herr Knoll, wir haben Ihre Fingerabdrücke auf der Tastatur vom Computer Ihres Kollegen gefunden." "Da sind natürlich alle möglichen Abdrücke drauf." "Zugegeben, es war nicht leicht, die alle zu identifizieren, aber unsere Spurensicherung hat wieder mal Übermenschliches geleistet." Fette Zufriedenheit tropfte aus der Stimme des Kommissars. "Und da waren eben auch Ihre Abdrücke dabei. Was haben Sie am Rechner des Bürokollegen gemacht?" Knoll erinnerte sich nicht, dass er freiwillig Eberts versiffte Tastatur berührt hatte, aber das konnte natürlich irgendwann mal vorgekomen sein. "Kann sein, dass ich auf seinem Rechner nach einer bestimmten Datei gesucht habe, ich weiß nicht mehr." "Herr Knoll, Sie verstehen, dass Sie das in den Kreis der Verdächtigen einbezieht, zumal der Controller in Ihrem Büro ums Leben kam." Knoll erinnerte sich mit Unbehagen an den kalten Körper geizmeiers, dem zu allem Ärger auch noch die Hose fehlte. "Herr Knoll, wenn Sie für mich die Augen aufhalten würden, das wäre eine große Hilfe. Sie als Interner haben doch viel besseren Zugriff auf die Informationen der Company." Der Kommissar ließ den Satz in der Luft stehen. "Natürlcih, Herr Kommissar, da kann ich Ihnen gerne behilflich sein." Knoll war weit davon entfernt, den Detektiv spielen zu wollen, aber wenn es dem Polizeibeamten nun mal so gefiel, würde er ihn hin und wiedermit belanglosen Informationen abspeisen. Viel wichtiger war es jetzt, die Verschiebung der Machtkonstellationen, die nach dem Tod des Controllers eingetreten war, zu nutzen, um den Chefsessel von Schwarz zu erobern.
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In der Falle
Ebert dachte angestrengt nach, doch sein Nachdenken wurde durch aufkommendes Entsetzen verlangsamt. Er sollte den Kollegen nachspionieren? Und womöglch in die Fänge des Mörders geraten? Wenn nun Knoll wirklich Geizmeier auf dem Gewissen hatte, wäre es am besten, möglichst viel Distanz zu ihm zu halten und so schnell wie möglich in das neue Büro umzuziehen. "Herr Kommissar, das ist ein freundliches Angebot. Es ehrt mich, dass Sie mir detektivische Fähigkeiten zuschreiben." Ebert blickte dem Kommissar möglichst freundlich in die Augen. "Aber ich kann doch meine Kollegen nicht bespitzeln, dafür haben Sie sicher Verständnis." Der Kommissar nickte bedächtig. "Vollstes Verständnis, Herr Ebert. Aber betrachten Sie doch auch mal meine Lage: Ich stehe unter Druck, möglichst schnell einen Täter zu präsentieren. Die Company ist ins Licht der Öffentlchkeit geraten." Ebert wartete ab. Der Kommissaar seufzte. "Joe Boston hat mich angerufen und Druck gemacht. Er will die Sache so schnell wie möglich vom Tisch haben." "Joe Big Boss Boston?" Ebert war erstaunt. Er hatte lange Zeit an der Existenz von Bis Boss Boston gezweifelt, weil er nie etwas von ihm hörte. Selbst auf Hauptversammlungen der Anteilseigner ließ er sich vertreten. Doch jetzt, wo ein Mord an einem seiner Mitarbietr geschah, hatte Big Boss offensichtlich seine Zurückhaltung aufgegeben. "Er selbst. Er hat mir klar gemacht, über welche Verbindungen er verfügt. Herr Ebert, ich würde mich gezwungen sehen, demnächst eienn Täter zu präsentieren, auch wenn es noch an letzten Beweisen fehlt. Und Sie sind im Moment der Hauptverdächtige." Ebert verstand innerhalb von Sekunden, wovon der Kommissar sprach. Ihm blieb keine Wahl. Er musste in den sauren Apfel beißen. "Herr Komissar, ich werde Ihnen selbstverständlich alle Erkenntnisse liefern, die ich finde. Als Mitarbeiter der Company kannich Informationen einholen, die Ihnen nicht offen stehen." "Sehen Sie, Herr Ebert, wir verstehen uns. Ich erwarte regelmäßige Berichte. Hier ist meine Nummer." Er legte eine Visitenkarte auf den Tisch. "Schönen Tach auch noch!" Der Kommissar entschwand so schnell, wie er gekommen war. Ebert freute sich, dass er alleine war. Knoll schien verschollen. Jetzt half nur tief durchatmen ud erstmal abwarten. Vielleicht konnte er den Kommissar eine Weile hinhalten. Ebert wandte sich dem PC zu und rief die Webcam auf, die er über dem Bett seines Söhnchens installiert hatte. Er blickte in ein dunkelrotes Gesicht, verzerrt vom Schreien. So sehr Ebert seine kleine Familie vermisste, manchmal war er froh, tagsüber nicht zuhause zu sein.
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Kommissar
Ebert öffnete gerade seinen Internetzugang, um über die Webcamera Bilder von seinem Sohn Eugen anzugucken, der jetzt vermutlich seelig schlummerte, als der Kommissar zur Tür reinkam, ohne anzuklopfen. Er trug immer noch die zerknitterten Klamotten von gestern. "Darf ich?" Er setzte sich auf Knolls Schreibtischstuhl, ohne ien Antwort abzuwarten. Ebert grunzte. Der Kommissar zog ein dünnes Notizbüchlein aus der Tasche, öffnete es und starrte hinein. Dann hob er den Blick und sagte: "Herr Ebert, mir ist zu Ohren gekommen, dass Sie recht jähzornig sind." Er machte eine Pause. Ebert schwitzte. Er wischte seine Hände an der Hose ab. Woher konnte der Kommissar das wissen? "Sie haben Ihren Kollgen Knoll gewürgt. Dafür habe ich hier mehrere Zeugenaussagen. " Ebert schluckte. "Knoll hat einen Virus auf meinem PC platziert", sagte er schließlich. Der Kommissar hob eine Augenbraue. Nur eine. Die linke. "Der Rechner ist abgestürzt. Knoll ist Schuld. Der hat mir das Ding infiziert!" "Herr Ebert, Sie verstehen wohl, dass dieser Umstand Sie verdächtig macht." Der Kommissar ließ seine Aussage wirken. Wo blieb nur Knoll? Ebert wunderte sich, dass der Kollege nicht kam. Der Kommissar ließ nicht locker. "Herr Ebert, Sie könnten zu meinen Recherchen effektiv beitragen, wenn Sie sich unter den Kollegen ein wenig umhören."
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