Katja Kleiber's Companyworld
 



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Kapitel Eins

Brieföffner

Ebert schleppte sich über den Flur. Einer entgegenkommenden Kollegin, die er nicht kannte, murmelte er ein "Mahlzeit!" entgegen, auf das sie mit einem unbestimmten Grunzen antwortete. Ebert lag das Mittagessen schwer im Magen. Vielleicht hätte er doch nur einen Pudding zum Dessert nehmen sollen und nicht drei. Er bohrte mit dem Zeigefinger zwischen den Zähnen und versuchte, ein Fleischstück von dem Schnitzel aus einem Zahnzwischenraum zu zutzeln. Das Fleisch hatte sich dort verhakt und verursachte ihm Unbehagen. Ebert hatte ungewöhnlich lange am Mittagstisch gesessen, denn der Techniker brauchte Zeit, um den Rechner wieder fit zu machen. Der Techniker hatte Ebert unverhohlen herauskomplimentiert, um in Ruhe am PC werkeln zu können.
Ebert öffnete die Tür zu seinem Büro und wahr froh, als er bemerkte, dass Knoll noch nicht aus der Kantine zurück war. Doch wer lag da auf seinem Schreibtisch? An der Halbglatze erkannte Ebert, dass es kein anderer als Geiszmeier war. Vögelte dieser wildgewordene Typ jetzt Jessica auf seinem Schreibtisch? Ebert durchzuckte Eifersucht. Der Controller lag halb über Eberts Schreibtisch, sein nackter Hintern strahlte Ebert in feinstem Weiß entgegen.
Ebert fiel auf, dass Geiszmeier gar keine Frau unter sich hatte. Er war alleine. Was sollte das? Ebert ergriff den Controller bei der Schulter und wollte ihn herumziehen. Doch der Körper Geiszmeiers gab unter Eberts Griff nach, rollte schlaff herum und schlug schwer auf den Boden auf. Ebert sah, dass eine riesige Blutlache seinen Schreibtisch verunreinigte. Er blickte auf Geiszmeier herunter. Es war das Blut des Controllers, das den Tisch beschmutzte. Aus Geiszmeiers Brust ragte der Edelstahl-Brieföffner, das Werbegeschenk eines Kunden.
Ebert rang nach Luft und stürzte aus dem Raum.
13.1.06 14:32


Geheimnisse

Knoll schwoll der Hals. Wieso trieb sich Jessica jetzt wieder mit Geiszmeier rum, anstatt seine Präsentation für morgen vorzubereiten? Wenn er sich weiter so aufregte, müsste er valium nehmen, überlegte Knoll. Er eilte hinter Jessica und Geiszmeier her. Als er sie einholte, hörte er, wie Jessica sagte: "Wir müssen unbedingt den Posten 1022 der bilanz frisieren". Geiszmeier eilte neben Jessica her und nickte eilfertig.
Knoll glaubte, er habe nicht recht gehört,. Wieso gab Jessica dem Controller Anweisungen? Sein überlastetes Hirn musste ihm Halluzinationen vorspielen. Er beschloss, sich vor der Präsentation morgen eine extra große Portion Koks reinzupfeifen, damit er auch ganz sicher auf Zack wäre.
Hinter Jessica und Geiszmeier hereilend schnaufte er: "Jessica, wie sieht es mit meiner Präsentation aus? Wie weit sind Sie gekommen?" Weit konnte die Schlampe ja nicht gekommen sein, da sie sich immer in anderen Büros rumtrieb.
Jessica drehte sich auf dem Absatz rum. Sie flötete: "Die präsentation liegt bereits in Ihrem Ordner auf dem Server. Dort, wo sie hingehört." Dann wandte sie sich wieder Geiszmeier zu und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
knoll war es zu dumm, hinter den beiden herzurennen. Er schlug den Weg zur Kantine ein, denn jetzt war di eZeit für ein reichhaltiges Mittagessen gekommen.

11.1.06 16:45


Verdacht

Laut sagte er: "Herr Geiszmeier, Sie wissen, dass unser Referat trotz augenscheinlich hoher Anstiegsrate der Telefonrechnung im Vergleich zu anderen Referaten günstig dasteht." Ebert hatte zwar keine Ahnung, ob das stimmte, aber Geiszmeier sollte es erst mal schlucken.
Geiszmeier schaute perplex und holte Atem, um zu widersprechen, als Jessica zur Tür hinein trippelte.
Sie grüßte, lächelte Ebert süß an - so schien es jedenfalls Ebert - und öffnete ihre pinkfarben geschminkten Lippen.
Jetzt wird sie mich zum gemeinsamen Mittagessen in der Kantine einladen, dachte Ebert.
"Herr Geiszmeier, können Sie in mein Büro kommen. Ich habe da einen Posten in der Abrechnung noch nicht verstanden", flötete Jessica.
Geiszmeier dreht sich auf dem Absatz um, deutete eine Verbeugung an. "Aber gerne". Er schwänzelte hinter Jessica her.
Eberts Gedanken raasten: Hatte Jessica auch was mit Geiszmeier? Oder nur mit Geiszmeier, nicht aber mit Schwarz? Wieso wollte Schwarz dann unbedingt ihren Job sichern? Und wieso ließ sich Geiszmeier herab, der Chefsekretärin persönlich die Bilanz zu erklären? Vielleicht trieb es das kleine Flittchen mit der gesamten Chefetage?
Ebert schwor sich, dass er den Chefsessel iin der Nachfolge von Schwarz erobern würde. Er würde Knoll nicht die geringste Chance lassen. Übrigens, Knoll war doch der Virus auf seinem PC zu verdanken, oder? Das schrie nach Rache.
10.1.06 10:16


Telefon

Ebert dachte fieberhaft nach, wie er die Telefonkosten begründen könnte. Er hatte stundenlang mit Susan geratscht, als sie noch in Thailand lebte und noch nicht seine Frau war. Das hatte sich vermutlich auf der Rechnung niedergeschlagen. Laut sagte er: "Modernes Projektmanagement macht es erforderlich, auch persönliche Gespräche zu führen, insbesondere seitdem Dienstreisen eingeschränkt wurden. Selbst ausführliche Telefongespräche können face-to-face-Kontakte nicht wirklich ersetzen."
Geiszmeier krauste die Stirn. "Wofür gibt es denn das Internet? Dort könnten Sie mit unserer companyeigenen Flatrate stundenlang Mails schreiben."
Bevor Ebert antworten konnte, sagte Knoll: "Der Mailserver der Company ist überlastet, wie Sie auch wissen. Deshalb ist der Zugriff auf die Mails nicht immer gewährleistet. Wenn wir effektiv arbeiten und zurm Shareholder-Value der Company beitragen wollen, sind Telefongespräche unumgänglich."
Während Knoll das sagte, arbeitet sein Gehirn auf Hochtouren. Gut, als vor ein paar Monaten sein Schneemann gefasst wurde, hatte er eine neue Quelle für den Koksbezug ausmachen müssen, das hatte einige längere Telefonate erfordert, auch nach Amsterdam, wie er sich erinnerte. Inzwischen hatte die Wirkung des Stoffs auf sein Hirn nachgelassen, überrascht schnell eigentlich, wie er fand. Der Angriff von Ebert und die Aufregung hatten wohl die Wirkung schnell verpuffen lassen. Knoll schwor sich, beim nächsten Trip seine Dosis zu erhöhen. Außerdem würde er sich bei Ebert grausam rächen.
Die Worte Geiszmeiers holten ihn in die Realität zurück: "Wir werden das Telefonkostencontrolling verschärfen und demnächst alle angerufenen Nummern auflisten. Dann werden wir monatlich Vorschläge machen, das Telefonaufkommen zu reduzieren." Er blickte die beiden streng an.
Ebert hätte ihm am liebsten gesagt: "Leck mich."
20.12.05 13:38


Peace

Geiszmeier blickte entsetzt auf die beiden ineinander verkeilten Männer. Hinter ihm erschein der EDV-Techniker. Er blickte Geiszmeier über die Schulter und auch ihm entgleisten die Gesichtszüge, als er die Szenerie in dem Büro sah. Ein puterroter Ebert drückte dem riesigen Knoll die Kehle zu.
Nach einer Schrecksekunde stürzte sich Geiszmeier auf die beiden. "Was ist denn hier los!" Er fiel Ebert in den Arm.
Der schien zur Besinnung zu kommen und ließ Knoll los. Knoll sackte auf einen Stuhl. In seinem Hirn blinkten 1000 Sternchen.
Geiszmeier meinte: "Aber, meine Herren, wo sind wir denn hier? Können Sie Ihre Konflikte nicht anders lösen? Soll ich Ihnen helfen? Möchten Sie eine Aussprache?"
Der Controller war der letzte, mit dem Ebert oder Knoll eine Aussprache wünschten. Beide winkten matt ab.
Ebert wies stattdessen auf seinen PC und herrschte den Techniker an: "Das Ding hat einen Virus! Reparieren Sie den!"
Der Techniker blickte ängstlich. Er wollte sich lieber nicht in den Streit der beiden Männer einmischen. Er setzte sich still vor den PC und tappste auf den Tasten herum.
"Herr Knoll Herr Ebert, ich kam eigentlich, um mit Ihnen das Jahresergebnis Ihrer Abteilung und insbesondere die Höhe der Telefonkosten zu besprechen." Controller Geiszmeier hatte beschlossen, zur Tagesordnung überzugehen. "Die Telefonrechnung für dieses Büro zeigt eine Steigerung um 468 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wie erklären Sie sich das?"
19.12.05 14:00


Pogo

Ebert sprang auf und trat näher an Knoll heran. Knoll spürte sienen Atem unangenehm im Gesicht. Er trat einen Schritt zurück.
"Was haben Sie an meinem Computer zu suchen?" Eberts Stimme überschlug sich. Er packte Knoll am Kragen, wobei er etwas nach oben greifen musste, denn Knoll überragte ihn um einen Kopf.
In Knolls Hirn explodierten weiße Blitze. Er taumelte ein wenig nach hinten.
Ebert schüttelte Knoll. "Du Schwein hast mir einen Virus verpasst!"
Knoll rang nach Luft.
In dem Moment kam Geiszmeier zur Tür herein.
18.12.05 15:41


Puder

Knoll war der King. Sein Hirn funktionierte wie frisch geputzt. Es war von einem mächtigen weißen Rauschen erfüllt. Die Gedanken sprangen wie geölt zwischen den Synapsen hin und her. Knoll atmete tief aut. Die zwei linine Schnee, die er sich eben in der Herrentoilette reingezogen hatte, taten mal wieder zuverlässig ihre Wirkung.
Was machte Jessica da an Eberts Schreitisch? Die Tippse sollte seine Power-Point-Präsentation für den Vortrag morgen fertig schreiben und nicht hier rumlungern. Er würde morgen mit der Präsentation glänzen und damit dem Chefsessel einen Schritt näher rücken. Auch Dietrich Schwarz, der jetzt noch den schönen, bequemen Chefsessel mit seinem Hintern wärmte, würde bezuckert sein. Aber Jessica müsste sich jetzt sofort an die Arbeit machen.
Knolls Hirn war hellwach, deshalb nahm er sofort den drohenden Unterton in Eberts Stimme wahr. "Knoll, was haben Sie an meinem Rechner zu suchen?"
Ebert sprach leise, aber akzentuiert. Knoll bemerkte seinen hochroten Kopf und die hervorquellenden Augen. Eberts erster Herzinfarkt würde nicht mehr lange auf sich warten lassen.
Knoll überlegte fieberhaft, was er gemacht hatte, bevor er sich in der Herrentoilette die Nase gepudert hatte. Er musste Zeit gewinnen.
"Jessica, ich glaube, Sie haben noch eine Menge Arbeit zu erledigen bis morgen, oder irre ich mich?" Jessica klemmte sich sofort ihre Unterlagen unter den Arm, senkte den Kopf und tippelte hinaus. Jeder ihrer Schritte auf den dünnen Absätzen rammte sich tief in Knolls Schädel. Knolls Hirn war jetzt höchst aufnahmefähig, leider auch für die unangenehm spitzen Töne dieser Schritte.
"Ebert, ich an Ihrem Rechner? Was soll ich da zu suchen haben?"
Knoll grübelte noch immer, was zum Teufel er getrieben hatte, bevor er sich den Kick gab.
17.12.05 15:51


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